Markgraf setzt neue Maßstäbe: Bauen ohne Stahlbewehrung

Was hier entstanden ist, geht über einen klassischen Neubau hinaus. Mit dem neuen Verwaltungsgebäude am Standort des Fertigteilwerks in Immenreuth setzt die W. MARKGRAF GmbH & Co. KG ein klares Zeichen: Weg vom stahl- und zementintensiven Massivbau, hin zu einer effizienten, ressourcenschonenden Hybridbauweise – konsequent umgesetzt mit Carbonbeton und Holz.

Die Aufgabe war klar formuliert und dennoch außergewöhnlich: Auf dem Betriebsgelände der MARKGRAF GmbH sollte ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude entstehen, allerdings ohne den Einsatz von Betonstahl. Alle tragenden Bauteile sollten konsequent mit nichtmetallischer Bewehrung und Holz realisiert werden. Das Gebäude besteht aus zwei sich überlappenden Riegeln: Der untere Riegel ist eingeschossig mit teilweise erdberührten Außenwänden und einer Dachterrasse, der obere Riegel verläuft orthogonal dazu und ist zweigeschossig angelegt. Eine spätere Aufstockung um ein weiteres Obergeschoss ist planerisch bereits berücksichtigt.

Carbonbeton funktioniert wie Stahlbeton – nur besser. Die nichtmetallische Carbonbewehrung übernimmt die Zugkräfte, die mineralische Betonmatrix die Druckkräfte. Der entscheidende Unterschied: Carbon korrodiert nicht. Tragende Carbonbeton-Wände wurden mit nur 10 Zentimetern Stärke realisiert, Fassadenelemente aus Carbonbeton sogar mit lediglich 3 Zentimetern. Das Ergebnis: eine Materialeinsparung von über 35 Prozent Beton gegenüber der klassischen Stahlbetonbauweise, ein messbarer Beitrag zur CO₂-Reduktion im Bauwesen.
Das technische Herzstück des Gebäudes sind die Holz-Carbonbeton-Verbunddecken. Vorgefertigte Carbonbetonplatten wurden mit Brettschichtholzbalken zu einer Rippendecke kombiniert: industriell gefertigt, vor Ort montiert und gezielt auf die Stärken beider Materialien ausgelegt. Diese hybride Deckenkonstruktion verbindet Tragfähigkeit mit einem geringen Materialeinsatz. Die Rippenstruktur bietet dabei einen weiteren praktischen Vorteil: Gebäudetechnik lässt sich elegant zwischen den Rippen integrieren, ohne Abhangdecken und ohne zusätzlichen Materialaufwand. 

Die Umsetzung eines derart innovativen Baukonzepts erforderte nicht nur planerische Präzision, sondern auch eine engmaschige Qualitätssicherung. CARBOCON war in diesem Projekt mit der gutachterlichen Begleitung und der Fremdüberwachung der Fertigteil-Produktion im Rahmen der Zustimmung im Einzelfall / vorhabenbezogenen Bauartgenehmigung beauftragt. 

Planerische Grundlage war unter anderem die DAfStb-Richtlinie „Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung", die seit Januar 2024 erstmals einen verlässlichen Rahmen für diese Bauweise schafft. Da sich fast alle eingesetzten Bewehrungsmaterialien außerhalb bestehender Regelwerke befanden, waren eine Zustimmung im Einzelfall sowie eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung erforderlich. Ein aufwendiger Weg, aber ein notwendiger, um die Sicherheit und Qualität des Gesamtkonzepts zu belegen. 

Hinter dem Projekt steht mit der W. MARKGRAF GmbH & Co. KG ein Unternehmen, das seit 1932 anspruchsvolle Bauprojekte in ganz Deutschland realisiert, vom Hoch- und Ingenieurbau bis zur Infrastruktur. Am Standort Immenreuth bündelt MARKGRAF seine Fertigteilkompetenz und verbindet industrielle Präzision mit handwerklicher Qualität. Über 1.000 Mitarbeitende stehen für technisches Know-how, nachhaltiges Denken und eine langfristige Perspektive.

Das neue Verwaltungsgebäude von MARKGRAF ist der Beweis, was mit nichtmetallischer Bewehrung heute bereits möglich ist: gebaut, genehmigt, eröffnet. Der Aufwand hat sich gelohnt, nicht nur für dieses Projekt, sondern für die gesamte Branche. Denn jedes Gutachten, jede Genehmigung und jeder realisierte Quadratmeter ebnen den Weg für das Bauen von morgen.


Das Gebäude wird am 21. Mai 2026 eröffnet. 

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